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ALBUM DER WOCHE

Jack White - Lazaretto

09.06.2014

Jack White kennt scheinbar keine Ruhepausen. Seit er in Nashville sein Third Man Studio samt Label eröffnete und sich dort als Produzent und Musiker austoben kann, serviert das 38-jährige Multitalent aus Detroit einen Album-Höhepunkt nach dem anderen. Egal, ob wie vor zwei Jahren mit seinem Solo-Debüt "Blunderbuss", als Schlagzeuger bei The Dead Weather, kreativer Kopf bei den Raconteurs oder wie erst kürzlich als beratender Produzent bei Neil Youngs "A Letter Home": Alles scheint White mühelos zu gelingen. Noch dazu zeichnet sich sein Output stets durch Integrität und hohe musikalische Qualität aus. Der Mann, der um die Jahrtausendwende gemeinsam mit seiner Ex-Frau Meg White als The White Stripes Blues und Garagenrock zurück in die Charts brachte, wandelt dabei innerhalb seines Oeuvre souverän und ideenreich durch die Genres, ohne dabei auf ein gesundes Maß an Wiederkennung zu verzichten. Das gilt auch für "Lazaretto".
Obwohl wie immer analog und in relativ kurzer Zeit aufgenommen, sparte White auf seinem zweiten Solo-Werk nicht an Overdubs und editierte fleißig am Material herum, was den Sound des Albums um einige willkommene Kniffe bereichert. Das passt irgendwie auch zum Stil-Bouquet. Denn natürlich besitzt auch "Lazaretto" einen bluesigen Grundtenor. White vermengt diesen aber effektiv mit Südstaaten- und Country-Feeling, poppigen Melodien , Reggae-Zitaten, Erinnerungen an die frühen Stones und gesanglosen, am Voodoo entlang schrammenden Vintage-Rock-Eskapaden.
Licks und Riffs springen stellenweise wie eine schwarze Katze aus dem Sack hervor. Die Gitarre spielt dabei nicht nur im Titelstück funky auf, sondern versetzt regelmäßig die von Orgeln, Harmonika, Slide-Gitarren, Geige und Piano flankierten Genre-Zitate in zusätzliche Vibration. Dass das Album durch diese instrumentelle und stilistische Vielfalt fast schon manchmal überladen wirkt, überrascht vielleicht manchen Fan seiner früheren, eher simpel und roh gehaltenen Aufnahmen. Letztere macht White indes immer noch: Eine Live-Version des Titelstücks wurde im April am diesjährigen Record-Store-Day in Whites Studio in knapp vier Stunden aufgenommen, gemastert, auf Vinyl gepresst und sogleich zum Verkauf angeboten. Weltrekord! Er kann eben so ziemlich alles, der Jack White.

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